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Treffen

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Im Herbst 2000 lud ich unter dem Motto »Trostreichs FrĂŒhlingserwachen« zu einem ersten persönlichen Treffen ein, das wir am Wochenende vom 22. bis 24. Juni 2001 in einer idyllisch gelegenen Jugendherberge in Thale am nördlichen Harzrand im Bundesland Sachsen Anhalt verbrachten.

Einige Familien wĂ€ren gerne gekommen, mussten aber kurzfristig absagen, andere wohnten in SĂŒddeutschland und konnten den weiten Weg mit ihren kleinen Kindern nicht zurĂŒcklegen. So blieben wir, drei Kleinfamilien mit jeweils einem Kind (komischerweise nur Töchter), ĂŒbrig und trafen am frĂŒhen Freitagabend in der Jugendherberge ein, um gemeinsam bei Brot, Wurst, KĂ€se und Tee lebhaft ins GesprĂ€ch zu kommen.

Es gab so viel zu erzĂ€hlen, dass die Kinder nur schwer ins Bett zu locken waren ... zumal die fĂŒr sie ungewohnte Umgebung und Bekanntschaft mit fremden Menschen natĂŒrlich fĂŒr einige Aufregung sorgte. Bald schon merkten wir, dass eine grĂ¶ĂŸere Gruppe mit mehreren (Klein-) Kindern fĂŒr ein ziemliches Chaos und eine entsprechende Unruhe gesorgt hĂ€tten. So aber konnten wir uns genug Zeit nehmen, ohne in organisatorischen Stress zu geraten und den Überblick zu verlieren.

Bei Rotwein, Apfelsaft, Wasser, Bier, Chips und Keksen saßen wir bis in die Nacht und wĂ€ren wohl gerne noch lĂ€nger wach geblieben ... aber Elternpflichten hielten uns davon ab ... Am nĂ€chsten Tag gab es schließlich genug Zeit fĂŒr gemeinsame Unternehmungen und Plaudereien.

Mittelpunkt war der Ausflug zum Hexentanzplatz mit einer Seilbahn. Fotos davon (aus ZeitgrĂŒnden leider noch unkommentiert) wie auch von der Jugendherberge und umzu gibt es auf den nĂ€chsten zwei Seiten.

Auch an diesem Abend saßen wir lange zusammen und kamen noch intensiver ins GesprĂ€ch als zuvor. Uns fiel auf, wie wichtig es ist, ĂŒber Misserfolge, Frustrationen, erlebte Schmerzen, Ängste und Katastrophen zu sprechen, vor allem aber, dass die Problematik der VĂ€ter hĂ€ufig zu kurz kommt und viel mehr Platz erhalten sollte als es im Allgemeinen heute der Fall ist.

Das Wochenende war schnell vorbei und viel zu kurz, dennoch ein willkommener Anlass, um nach langem RĂŒckzug in der Familie einmal rauszukommen aus dem Alltagstrott. Auch die Jugendherberge gefiel uns, die Unterkunft war preiswert und angenehm unkompliziert, das Essen bekömmlich und die Lage zwischen den hohen Felsen touristisch sehr reizvoll.

Der Ort hatte durchaus gleichnishaften Charakter: Wir trafen uns im Tal, ließen uns von der Seilbahn auf die Spitze des Berges tragen, machten Bekanntschaft mit »Hexen« und »Teufeln« sowie einigen Wölfen, BĂ€ren, Greifvögeln und anderen Zwei- und Vierbeinern im Wildtierpark ... wie einst, als wir dem Wahnsinn nahe nicht selten »tierisch« durchdrehten, schreiende Babys tanzend durchs Zimmer trugen, sangen, spielten, probierten ... durch Höhen und Tiefen, ĂŒber Berg und Tal ... ein stĂ€ndiges Auf und Ab ... um irgendwann verblĂŒfft festzustellen: das Leben geht weiter, und die inzwischen groß gewordenen »Schreibabys« schaukeln, wippen, sprechen, staunen, singen ... neugierig aufgeschlossen in die Welt hinein.

 

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Postkarte: Thale, Hexentanzplatz

 

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Hier ein Auszug aus meinem Einladungstext vom 25.10.2000

Nun ist es sieben Jahre her, dass ich um StĂŒhle und Tische rannte mit meiner schreienden Tochter. Eine lange Zeit – und doch so kurz.

Aus dem »Schreibaby« entwickelte sich ein sensibles, selbstbewusstes, eigensinniges, einfĂŒhlsames, aufgeschlossenes und ganz besonders kommunikationsfreudiges Kind. Was ist das Schreien auch anderes als der lebendige Ausdruck eines energiereichen kontakthungrigen Wesens auf der Suche nach Geborgenheit, GlĂŒck und Liebe?

Mir scheint, als schrieen die besonders »Lauten« fĂŒr all die Leisen mit, um unsere seelenzerstĂŒmmelnde Menschenwelt aus ihren herzfeindlichen Vorstellungskerkern zu wecken ... ein tiefer, tiefer Schlaf ... Warum nur fĂ€llt es so schwer aufzuwachen, ohne wild um sich zu schlagen oder sich mit neuen Mitteln zu betĂ€uben?

Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass die meisten Menschen sich selbst vernachlĂ€ssigen, um statt dessen nach AutoritĂ€ten zu suchen, die angeblich alles besser wĂŒssten als sie selbst. Dass es niemals jemand geben wird, der vom Himmel fĂ€llt und die Menschheit rettet, ohne sie aufzufordern, sich selbst zu retten, mag wohl nur erkennen, wer sich selbst und seine eigenen Grenzen wahrnimmt. Und an diese Grenzen stoßen vor allem Eltern mit ĂŒbermĂ€ĂŸig, untröstlich schreienden Babys.

»Kinder brauchen Grenzen« heißt es heute in einigen populĂ€ren Erziehungsratgebern ... Grenzen sind naturgegeben, wir alle haben sie und mĂŒssten eigentlich nicht danach suchen, wenn wir uns so hĂ€ufig wir können auf uns selbst besinnen wĂŒrden, unsere FĂ€higkeiten, Talente, unsere Intiution pflegend und willkommen heißend, das Schöne bei alledem stets in den Vordergrund stellend, in jedem Moment von Neuem ... denn dafĂŒr leben wir.

Das klingt schön ... und doch ist es soooooooooo schwer, aus all den depressiven TÀlern herauszufinden, ohne an den lebensfeindlichen UmstÀnden, in die wir hineingeboren wurden, zu verzweifeln.

Mir hat im Leben ein Motto wirklich geholfen: Nicht lange fackeln, nicht zu lange ĂŒberlegen, grĂŒbeln, planen ... sondern anfangen! »Learning by doing», wie es so schön heißt ... wobei ich nicht der Typ bin, der im Wintermantel per Kopfsprung von einem dreitausendmeterhohen Felsen in einen flachen Teich springt ...

Und so möchte ich nach jahrelanger Vorarbeit fĂŒr die Selbsthilfeinitiative Trostreich zu einem ersten Treffen aufrufen, das engagierten Menschen rund um diese »Thematik« ermöglicht, einander persönlich kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen, ins GesprĂ€ch zu kommen und ganz einfach Spaß zu haben, sich gegenseitig zu fördern und stĂ€rken.

...

Es grĂŒĂŸt bei elektrischer Schreibtischbeleuchtung und wolkenbehangenem Himmel aus warmem Herzen

Jutta Riedel-Henck (Deinstedt, 25.10.2000)

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