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Rota Therapie

Grundlagen und Kurzdarstellung der
neurophysiologischen Arbeit

von Doris Bartel

                                 

Mit der neurophysiologischen Rota-Therapie werden Neugeborene und Säuglinge wie auch größere Kinder und Erwachsene behandelt.

Bei einer standardmäßigen Vorsorgeuntersuchung (einer sog. »U«) überprüft der Kinderarzt Reflexreaktionen des Körpers auf Lageveränderungen im Raum. Eine Therapie ist anzuraten, wenn sich dabei Auffälligkeiten zeigen. Diese weisen z. B. auf Störungen oder Verzögerungen in der (Bewegungs-) Entwicklung hin. Derartige Auffälligkeiten beschränken sich allerdings nicht nur auf die Motorik, sondern beziehen sich auch auf sensorische, vegetative und emotionale Bereiche. Man nennt dieses Krankheitsbild »Zentrale Koordinationsstörung« (ZKS), da die auftretenden Störungen von zentral – d. h. vom Gehirn ausgehen.

Ursächlich dafür verantwortlich ist eine zu hohe oder zu niedrige Muskelspannung (Hypertonus bzw. Hypotonus). Mit der Rota-Therapie wird die ZKS ganzheitlich behandelt, es geht also nicht darum, die Symptome (siehe Indikationen) isoliert zu behandeln, sondern deren Ursachen heilend zu beeinflussen. Wird die ZKS im Säuglingsalter nicht erkannt und behandelt, können sich tiefgreifende gesundheitliche Belastungen entwickeln.

 

Das Zielorgan Gehirn

Das Zielorgan der neurophysiologischen Therapie ist das Gehirn und dort die Bereiche, die die Bewegungsentwicklung und den für die Bewegung und Haltung notwendigen Muskeltonus regeln. Alle Muskeln müssen bei der Haltung des Körpers in einer bestimmten Lage im Raum sowie auch bei der Bewegung von einer Lage in die andere richtig koordiniert sein.

Liegt eine Störung in der senso-motorischen Bewegungsentwicklung vor, bewegt sich ein Kind über die Monate bis zum Krabbeln mit Hilfe von reflexgesteuerten Bewegungsmustern. Beim neugeborenen Kind bis zum 3. Lebensmonat sind diese Reflexbewegungen noch physiologisch. Bei der belasteten Entwicklung werden diese Reflexe nicht selbstständig abgebaut.

Jede aktive Bewegung wird dann mit unkoordiniertem Muskeltonus ausgeführt. Ohne therapeutische Hilfe geschieht dies fortgesetzt. Das Gehirn übt so die falschen, primitiven Bewegungsmuster ein, und diese bilden dann die Basis für die nachfolgende Entwicklung bis hin zur Aufrichtung. So wird dann die aktive Bewegung immer durch Unreife gekennzeichnet sein.

Es ist deswegen sinnvoll, möglichst früh solche Belastungen zu erkennen und zu behandeln, damit keine Fixierung im Gehirn stattfindet.

Die Rota-Therapie orientiert sich immer an den primären Bedürfnissen des Kindes, und zwar bezogen auf seinen körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklungsstand.

Ein Grundbedürfnis des kleinen Kindes ist es, bei der Mutter zu sein. Daraus ergibt sich, daß in der Therapie zunächst die Mutter ihren Säugling auf dem Schoß hat und die Bewegungen (s. u.) durchführt. Die Aufgabe der Therapeutin ist es, die Mutter in allem, was ihr Kind zu einer gesunden Entwicklung an Hilfe und Unterstützung braucht, anzulernen.

 

Die praktische Umsetzung

Die Basis der Rota-Therapie beim Säugling sind Rotationsübungen, die die Mutter mit ihrem Kind auf dem Schoß durchführt.

In den Rotationsbewegungen wird das Kind in einer bestimmten festgelegten Reihenfolge von der Mutter bewegt. Es wird um die eigenen Körperachsen im Raum gedreht, indem es in verschiedene, sich immer wiederholende Positionen gebracht wird (das sind: Bauchlage, Seitenlage, Rückenlage, Sitzen im Arm). 

Diese Bewegungen werden mit dem Kind zunächst passiv, später zunehmend aktiv nur in richtigen, nicht von Reflexen gesteuerten, d. h. physiologischen Bewegungsabläufen ausgeführt. Durch die ständige gemütliche Wiederholung prägen sich diese gesunden Bewegungs- und Haltungsmuster im Gehirn ein. Sie werden anstatt der bisherigen »falschen« übernommen. Die falschen (d. h. immer die reflexgesteuerten) Bewegungsmuster kommen so immer seltener vor, verkümmern und geraten in Vergessenheit.

Wie lange und wie oft am Tag die Hilfe über die Bewegungsübungen auf dem Schoß notwendig ist, richtet sich nach der Schwere der festgestellten Entwicklungsstörung.

Das kleine Kind schläft oft während des Bewegens auf dem Schoß ein. Die heilsame und regulierende Wirkung der Übung bleibt davon unbeeinflußt. Zunehmend beginnt es aber, sich bei den Positionswechseln aktiv zu beteiligen, zu schauen, zu erzählen, zuzuhören, zu lachen. Es sieht seine Umgebung, fühlt seinen Körper und den der Mutter in immer wiederkehrender, gleichmäßiger Abfolge.

Dadurch lernt es, daß die Veränderung der Körperlage im Raum ein verändertes eigenes Wahrnehmen und der Umgebung mit sich bringt. Und indem das Kind immer und immer wieder das gleiche sieht und fühlt, erwirbt es sich eine tiefe Sicherheit für die Körperbeherrschung, für alle späteren fein- und grobmotorischen Funktionen. In diesem ganzen Lernen und Fühlen ist die geistige Aktivität des Kindes angesprochen.

Je nach Schwere der Betroffenheit kann es zunächst ein Stück mühsame Arbeit sein, das Kind in den runden Bewegungsabläufen zu führen. Nämlich dann, wenn die Reflexbewegungen sehr stark sind und ein sich daraus schon entwickelter zu hoher Muskeltonus Widerstand bietet.

In dieser Phase weint das Kind durchaus auch. Auch die Veränderung zum guten, zum besseren hin muß als zunächst fremdes, unbekanntes eigenes Wahrnehmen bewältigt werden.

Sind jedoch durch die ständig wiederholte Hilfe die falschen, belastenden Anspannungen stark reduziert und normalisiert, können Mutter und Kind die Bewegungen genießen, beide erleben die Zeit der Übung als eine Zeit ungestörter und inniger Zuwendung.

Auf einen Aspekt in der Rotationsübung sei hier besonders hingewiesen, da er von fundamentaler Bedeutung für die gesamte spätere sensomotorische Entwicklung ist:

    der sog. »diagonale Augen-Hand-Fuß-Mund-Kontakt«.

In der gesunden Entwicklung beginnt dieser Kontakt immer von alleine im Alter von 45 Lebensmonaten und bleibt bis weit über das erste Lebensjahr hinaus erhalten. Durch dieses »den Fuß anschauen, mit beiden Händen dann jeweils einen Fuß greifen und in den Mund nehmen« wird ganz besonders die Koordination der beiden Gehirnhälften gefördert, die für die gesunde Entwicklung des Kindes – auch auf geistiger Ebene – von großer Bedeutung ist.

Der Fuß wird dem Kind im Laufe der Monate nie »langweilig«, da er der geistigen Reife entsprechend immer differenzierter wahrgenommen wird. Durch das häufige Begreifen wird er in das Körperschema gut integriert. Dafür ist es notwendig, daß die Füße immer barfuß sind! Ein Kind, welches diese Phase intensiv erlebt, wird später einmal gut und sicher laufen können, nicht dauernd hinfallen und stolpern, denn es weiß ja sehr gut um die Füße dort unten auf dem Boden. Der Augen-Hand-Fuß-Mund-Kontakt wird in der Rotationsübung in allen Positionen außer der Bauchlage ermöglicht und gefördert.

Dies sind in diesem Zusammenhang nur einige Aspekte dieser wichtigen Phase.

 

Im Umsetzung im Alltag

Als zweiten wichtigen Bestandteil der neurophysiologischen Therapie lernen die Eltern im alltäglichen Umgang mit ihrem Kind keine der falschen Reflexreaktionen auszulösen. Denn sonst würden die Symptome ja noch verstärkt.

Die Eltern lernen, wie sie ihr Kind am günstigsten tragen, es hochnehmen oder hinlegen, wie die Mutter es beim Stillen anlegt, mit dem Löffel füttert und aus dem Glas trinken läßt, wie es auf dem Schoß gewickelt, an- und ausgezogen und wie es beim Baden gehalten wird. 

Die Eltern lernen erkennen und verstehen, warum dies alles sinnvoll und zudem auch noch sehr praktisch ist.

Es sind alles einfache und schnell zu erlernende Handgriffe, über die bald nicht mehr nachgedacht werden muß.

Durch diese richtigen Alltagsgriffe wird die Rotationsübung effektiver, da eben auch während der Zeit außerhalb der speziellen Bewegungen auf dem Schoß so wenig wie möglich die falschen Bewegungsmuster im Gehirn gespeichert werden können und der Effekt des »Vergessens« so verstärkt wird.

Werden die oben beschriebenen Symptome im Säuglingsalter nicht bemerkt und nicht behandelt, kann es dadurch früher oder später in der weiteren Entwicklung zu mehr oder weniger ausgeprägten Störungen kommen (siehe Indikationen).

Wenngleich natürlich gilt: Je früher desto besser, kann mit der Rota-Therapie auch jenseits des Säuglingsalters wirkungsvoll geholfen werden.

In jedem Alter und bei jeglichem Schweregrad der Symptomatik.

Die größeren Kinder oder Erwachsenen lernen Körperübungen, die sie täglich zu Hause auf dem Boden durchführen.

Das Grundprinzip ist, wie bei den Bewegungen des Säuglings auf dem Schoß, die Rotation im Körper (Drehung der Wirbelsäule) und die Rotation des Körpers um die Achsen im Raum.

Konkret bedeutet das, in einer bestimmten Weise auf dem Bauch, auf der Seite, auf dem Rücken liegen, in einer bestimmten Weise sitzen, wobei die Positionen in einem notwendigen, gemütlichen Rhythmus gewechselt werden. Für die Wirkung der Bewegungen braucht es das Verweilen in einer Position und das Bewegen um die Körperachse.

Auch bei der Therapie für »die Großen« gilt die Regel, daß in der Bewegung und Körperhaltung keine der frühkindlichen, jetzt noch aktiven Reflexmuster zugelassen werden.

Genauso gilt es hier, helfende Verhaltensweisen im Alltag zu erlernen, z. B. beim Sitzen, beim Lernen, beim Sport, beim Schlafen. Oder die Besserung störende und hemmende Aktivitäten wegzulassen. So stellt sich der Effekt des täglichen Übens baldmöglichst ein.

Ohne Fleiß, kein Preis.

Wenn sich durch ausreichende Therapie keine objektiven wie subjektiven Symptome mehr zeigen, empfiehlt es sich, einmal am Tag die Bewegungsschulung beizubehalten, sozusagen als Körperpflege. So wie gesunde Zähne geputzt werden, damit sie gesund bleiben. Auf diese Weise kann der Mensch, gleich welchen Alters, die vielen Entwicklungsschritte in allen Bereichen seines Menschseins stabil und gesund vollziehen und erleben.

 

 

    Indikationen im Säuglingsalter

  • Allgemeine Entwicklungsverzögerungen
  • Sauerstoffmangel unter der Geburt und den Folgeschäden, z. B. eine spastische Bedrohung – bei frühzeitigem Therapiebeginn kann Behinderung verhindert werden!!
  • Stillprobleme, anhaltendes Schreien, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen 
  • Frühgeburten mit den daraus sich ergebenden Belastungen vielfältiger Art, auch Zustände nach Gehirnblutungen
  • Lageanomalien (Beckenendlage, Fußlage ...) Nabelschnurumschlingungen mit den daraus sich ergebenden Belastungen
  • Hüftdysplasien oder -luxationen, Fußfehlstellungen – Behandlung ohne Spreizhose oder Gips!
  • asymmetrische Haltungen wie Säuglingsskoliose oder Schiefhals
  • Neurodermitis
  • motorische Unruhe, Hyperaktivität

 

 

    Indikationen bei größeren Kindern und Erwachsenen

  • Auffälligkeiten im Sozialverhalten, Hyperaktivität
  • Störungen in der Grob- und Feinmotorik
  • Lernschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen
  • Rückenprobleme (Rundrücken, Skoliosen, schlechte Haltung, Rückenschmerzen)
  • Fußfehlstellungen, Asymmetrien
  • Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung (Lispeln, Stottern), Zähneknirschen
    Kieferfehlstellungen
  • Neurodermitis
  • auch Menschen mit fixierten schweren spastischen Krankheitsbildern erfahren vielfältige Erleichterungen im motorischen sowie bes. auch im vegetativen Bereich (Schlafen, Essen, Verdauung)
  • orthopädische Erkrankungen (Arthrosen)
  • neurologische Erkrankungen

 

 

Kontakt-Adresse:

Doris Bartel
Fachpraxis für neurophysiologische Therapie
Eberburgweg 1
52076 Aachen
Tel: (02 41) 7 39 29
Fax: (02 41) 1 60 77 90
Homepage: www.rota-therapie.de
E-Mail: bartel@rota-therapie.de

 

 

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